Lehre FS 2012 Proseminar: Werte in der Wissenschaft

Proseminar: Werte in der Wissenschaft

Prof. Dr. Ulrich Krohs

Max Weber stellte 1904 seine berühmte These von der Wertfreiheit der Wissenschaft auf. Wissenschaft könne keine Wertmaßstäbe setzen, allenfalls die Konsequenzen von Werthaltungen ermitteln. Andererseits muss Wissenschaft aber selbst auf Werte zurückgreifen, wie Robert K. Merton 1942 ebenso prominent ausführte. Seine Forderung ist, dass echte Wissenschaft bestimmten Prinzipien der freien Verfügbarkeit ihrer Ergebnisse, der Neutralität und der Unvoreingenommenheit der Interpretation der Daten zu folgen habe. Diese Prinzipien artikulieren offenbar wissenschaftliche Werte. Ist damit jeglicher Anspruch auf Wertfreiheit vom Tisch?

Heute wird in Fortführung eines Gedanken von Thomas Kuhn meist zwischen epistemischen und nicht-epistemischen Werten unterschieden. Die ersteren leiteten legitimerweise den Forschungsprozess – zu diesen gehört das Streben nach Wahrheit oder nach großer Erklärungskraft einer Theorie. Zu den letzteren zählen soziale und religiöse Werte – diese seien aus der Wissenschaft herauszuhalten. Die Hoffnung ist, dass eine Trennung der beiden Klassen von Werten zumindest einen Aspekt der Wertfreiheits-Forderung retten könne. Viele Autorinnen und Autoren sehen das jedoch inzwischen anders und bringen gute Gründe für die verstörende These vor, dass auch nicht-epistemische Werte ihren legitimen Platz im Wissenschaftsbetrieb haben. Im Seminar werden wir die unterschiedlichen Ansätze und deren Konsequenzen kritisch untersuchen.

Syllabus aktualisiert 29.2. (pdf)

Literatur (pdf können ggf nur aus dem Uni-Netz abgerufen werden):

Gerhard Zecha (Hg.): Werte in den Wissenschaften. Mohr Siebeck, 2006.

Peter Machamer & Gereon Wolters (Hg.): Science, Values, and Objectivity. University of Pittsburgh Press/Universitätsverlag Konstanz, 2004.

zum 29.2.: Max Weber: Auszüge aus: Der Sinn der „Wertfreiheit“ in den soziologischen und ökonomischen Wissenschaften (1917). In: ders., Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Mohr, 1982, S. 489-540.

zum 7.3.: Hans Albert: Max Webers Auffassung zur Wertproblematik und die Probleme von heute (Abschnitte 2-4), in: Zecha (Hg.) 2006, S. 5 ff.

zum 14.2.: Robert K. Merton: The Normative Structure of Science (1942). In: ders., The Sociology of Science: Theoretical and Empirical Investigations. Chicago, IL: University of Chicago Press, 1973, S. 267-.278.

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Aufgabe 1. Essay

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zum 21.3.: Thomas S. Kuhn: Objectivity, value judgment, and theory choice, in: ders.: The Essential Tension, 1974

zum 28.3.: Helen Longino: How values can be good for science. In: Machamer & Wolters (Hg.), 2004, 127-142.

zum 4.4.: Gastvortrag Anna Leuschner. Als Hintergrund: Leuschner: Pluralism and Objectivity: Exposing and breaking a circle. Stud.Hist.Phil.Sci. 43, 2012, 191-198.

zum 25.4.: Willard Van Orman Quine: On empirically equivalent systems of the world, Erkenntnis 9, 1975, 313–328.

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Aufgabe 2. Essay

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zum 9.5.: Larry Laudan & Jarrett Leplin: Empirical equivalence and underdetermination, Journal of Philosophy 88, 1991, 449–472.

zum 16.5.: Richard Rudner: The scientist qua scientist makes value judgments. Philosophy of Science 20, 1953, 1-6.

nicht zum 16.5.: Richard C. Jeffrey: Valuation and acceptance of scientific hypotheses. Philosophy of Science 23, 1956, 237-246.

zum 23.5.: Heather Douglas: Inductive risk and values in science. Philosophy of Science 67, 2000, 59-579.

(Weitere Literatur wird im Seminar angegeben.)